Grand Tour - Fotografien von Marco Campanini

Grand Tour - Fotografien von Marco Campanini

26/feb/2006 15.15.37 Marco Campanini Contatta l'autore

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La Galleria Carloni Spazioarte di Francoforte sul Meno presenta "Grand Tour", mostra personale di Marco Campanini.
Testo in Italiano in allegato.
 
Cordiali saluti
 
Daniele De Luigi
 
 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

am 1. März eröffnen wir die Ausstellung Grand Tour des jungen italienischen Fotografen Marco Campanini.

Anbei sende ich Ihnen Informationen zur Ausstellung mit der Bitte um Veröffentlichung.

 

Grand Tour

Fotografien von Marco Campanini

 

 

Galerie:         CARLONI SPAZIOARTE

                   Gutzkowstr. 16

                   60594 Frankfurt/Main

                   tel. +49 (0)69 663716-44

 

Vernissage: 1.03.2006 um 19.00 Uhr

Ausstellung: 2.03 - 20.04.2006

Kurator der Ausstellung: Dr. Daniele De Luigi

 

 

 

Unten finden Sie den Lebenslauf von Marco Campanini, den Text des Kurators Dr. Daniele De Luigi und als Attachment zwei Abbildungen.

Wenn Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Serena Carloni

 

 

Dr. Serena Carloni

CARLONI SPAZIOARTE

Gutzkowstr. 16

60594 Frankfurt/Main

tel. +49 (0)69 663716-44

fax +49 (0)69 663716-43

info@cspa.de

www.cspa.de

 

 

 

Grand tour

 

Als Ende des 16. Jahrhunderts Europa zu einem neuen, gemeinsamen Kulturraum wurde, pflegten junge, gebildete Aristokraten aus England, Frankreich und Deutschland, eine Reise über die Grenzen der eigenen Nation hinaus zu unternehmen, um so ihren Horizont zu erweitern. Diese weltliche Bildungsreise, auch unter dem Namen „Grand tour“ bekannt, fand im 18. Jahrhundert ihr goldenes Zeitalter und in Italien ihr bevorzugtes Reiseziel.

Jenseits der Alpen stellten die Reisenden ihre Vorstellungen von Geschmack und Schönheit auf die Probe, indem sie die Subjektivität und unvorhersehbare Vielfalt ästhetischer Erfahrungen überprüften. Zugleich lieferte das naturwissenschaftliche Wissen, mit seiner Manie nach Objektivierung der Realität, die Grundlagen für einen Wandel der Wahrnehmung von Landschaft selbst - und dies dank der Arbeit ganzer Scharen von „Ingenieursgeographen“, überwiegend Franzosen, die mit immer raffinierteren Messinstrumenten zu einem detaillierten Bild der Welt gelangen wollten.

Alexander von Humboldt, ein großer Reisender und Kenner der Welt, sollte mit außerordentlicher und vorausgreifender Intuition dennoch bald begreifen, dass die nicht messbare, aber nichtsdestoweniger grundlegende Dimension, die das Verständnis des geographischen Raums erfordert, die Geschichte ist, die niemals losgelöst von der konkreten Erfahrung der Orte gesehen werden darf. Der tiefere Sinn des Reisens, der höheren Geistern vorbehalten war, bestand also darin, dass man mit Hilfe der Anschauung zu einer Erfahrung gelangte, die man auch „erhaben“ nennen könnte: Nämlich die Erfahrung vom Ausmaß der historischen Zeit in der Schichtung ihrer Epochen und Kulturen. J.W. Goethe ist  in dieser Hinsicht als Deuter par excellence zu verstehen.

 Die Geschichte als vierte Dimension liefert vielleicht den Schlüssel zum Verständnis der Arbeit des jungen italienischen Künstlers, Marco Campanini, insbesondere für die vorliegende Fotoserie. Mit seiner Arbeit, die sowohl von großer Einfachheit der Mittel, als auch von Feinheit und strengem Bewusstsein geprägt ist, dabei auch nicht immer auf Pathos verzichtet, gelingt ihm eine subtile Reflexion dieses komplexen Themengeflechts, das unsere Gegenwart immer neu befragt. Die Bilder aus der Zeit der Grand tour, seien es Gemälde oder Radierungen, hat der Künstler illustrierten Büchern entnommen. Er hat lange in diesen Büchern geblättert, schließlich einige Bilder ausgesucht, und diese dann zum Gegenstand einer Reproduktion gemacht, die uns die Abbildungen in Ausschnitten und subjektiv umgestaltet wieder vorführen. Seine Arbeit wurde angeregt vom Meisterwerk Luigi Ghirris, der die Fotografie als Bezeichnungssystem des Realen verstand, die Darstellungen des Realen inbegriffen: „Der Unterschied zwischen Reproduktion und Interpretation,“ - so Ghirri - „gibt unendlichen Vorstellungswelten  Raum.“

Marco Campanini lässt sich auch vom literarischen Genre der promenade picturale, einer Erfindung Diderots, inspirieren. So wie Diderot die Landschaften des Malers Vernet beschreibt, sie mit kurzen Erzählungen versieht, die in ihrem Verlauf zu philosophischen Abschweifungen werden, so realisiert der Künstler seine promenades mit der modernen Sprache der Fotografie. Auf diese Weise wird die Darstellung einer Landschaft des 18. Jahrhunderts, die Darstellung von Ruinen und mythischen Orten zu einer neuen visionären Reise, die sich jedoch nun wie in einem Spiegel, dem der Erinnerung und der Geschichte zeigt.

Seine Technik zielt darauf, mittels Beleuchtung und Fokussierung, die Elemente der Abbildung symbolhaft auszuwählen: So erlangen die Dinge eine neue Bedeutung, die Figuren einen neuen Charakter - alles steht in einem neuen Licht. Eine Straße führt aus der Dunkelheit heraus ins Helle; aus dem Dunkel erhebt sich eine menschliche Gestalt, um die Schönheit einer Bucht zu bewundern. Eine andere Figur erscheint uns wie in ekstatischer Kontemplation, wie im unbeweglichen Auge eines inneren Aufruhrs.

Die Aktualität von Campaninis Fotografie besteht darin, dass sie zu einem Instrument des Nachdenkens über den Sinn und das Entstehen von Bildern wird, durch eine Art  „Wiederverwendung des Antiken“, gefiltert durch die zeitgenössische Kultur, aber auch durch die Verwandlung des Lichtes selbst. Ein Licht, das den "Prato della valle" in Padua, den man auf einem der Bilder sieht, wie von neuem bestrahlt, das auf zwei anderen Bildern hingegen der Dunkelheit zu weichen scheint, so als wolle diese die Ruinen Piranesis oder die gegenerischen Reihen auf einem Schlachtfeld verschlingen.

 

Dr. Daniele de Luigi

 

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